Mariam Akubardia

Akubardia wurde in Abchasien geboren und wurde gemeinsam mit ihrer Familie während des Krieges Anfang der 1990er-Jahre vertrieben. Später kehrte die Familie in die besetzte Region Gali zurück, wo sie ihre prägenden Jahre verbrachte. Das Aufwachsen in einem destabilisierten Gebiet – zwischen provisorischen Unterkünften und verlassenen Häusern – prägte ihr Verständnis von Zugehörigkeit und Vergänglichkeit nachhaltig. Die Künstlerin verortet den Ursprung ihrer Bildsprache in diesen frühen Erfahrungen: Sie begleitete ihre Großmutter durch vom Krieg gezeichnete Viertel, betrat verlassene Häuser und begegnete bombardierten Gebäuden. Das frühe Bedürfnis, die in diesen Ruinen eingeschriebenen Geschichten zu verstehen, bildet bis heute den Ausgangspunkt ihres künstlerischen Forschens.

Akubardias Figuren sind untrennbar mit diesen Umgebungen verbunden und erscheinen häufig in eine innere Zeitlichkeit versunken. Ihre Gesten und ihre Beziehung zur umgebenden Architektur lassen erkennen, dass das Trauma des Krieges weit über den geografischen Raum hinausreicht und die Art und Weise, wie Menschen Zeit erfahren und bewohnen, grundlegend verändert. Obwohl ihre Praxis tief in der spezifischen Geschichte Abchasiens verwurzelt ist, widersetzt sie sich entschieden einer Reduzierung politischer Erfahrung auf bloße Autobiografie. Mit ihrem Werk formuliert Akubardia vielmehr eine universelle Erfahrung: wie Besatzung und Vertreibung die individuelle Wahrnehmung und gesellschaftliche Strukturen noch lange nach dem Ende der unmittelbaren Gewalt eines Konflikts fortwährend prägen.


Mariam Akubardia's profile image

"Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich verstehen, was sich in den verlassenen Häusern und zerbombten Gebäuden unserer Nachbarschaft ereignet hatte. Ich glaube, dort begann meine künstlerische Reise."

Ausgewählte Arbeiten