Guzel Zakirova
Geboren in Almaty in einer uigurischen Familie, die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nach Kasachstan migriert war, wuchs Guzel Zakirova in einem traditionellen Haushalt auf und bewegte sich gleichzeitig in einem überwiegend russischsprachigen Umfeld. Diese frühe Erfahrung des Andersseins, die sie bereits im Kindergartenalter zu spüren begann, wurde grundlegend für ihr Selbstverständnis. Wie die Künstlerin erzählt, wuchs sie mit dem gesellschaftlich auferlegten Gefühl auf, zur „dritten Klasse" zu gehören – als gehöre sie einem Volk ohne Land an: eine tiefgreifende Erfahrung, die später ihre Auseinandersetzung mit internalisiertem Kolonialismus, kultureller Unterdrückung und Zugehörigkeit prägte. Obwohl niemand in ihrer Familie professionell mit Kunst verbunden war, entstand ihre früheste Faszination für die Bilderzeugung durch Kindheitserinnerungen an ihren Vater, der immer dann schnell wiedererkennbare Porträts skizzierte, wenn sie sich verletzlich fühlte – ein Eindruck, der ein bleibendes Mal auf ihr Verständnis von Kommunikation und Intimität hinterließ.
Zakirova schloss ihr Studium an der Kunstakademie der Abai Kasachischen Nationalen Pädagogischen Universität ab und setzte ihre Studien später in chinesischer Malerei am Kunstinstitut Xinjiang fort. Visuell wird Zakirovas Arbeit sowohl von den Traditionen der chinesischen Tuschemalerei als auch von der flachen symbolischen Ästhetik uigurischer Wandmalerei geprägt. Während ihres Studiums in China wurde sie tief beeinflusst vom ausdrucksstarken Kontrast schwarzer Tusche auf weißem Papier und vom Potenzial der minimalistischen Geste. Neben der Malerei erstreckt sich die Praxis der Künstlerin auf Keramik, Metall, Weben, Stickerei, Archivinstallation und Video. In den vergangenen Jahren hat sie das traditionelle uigurische Teppichknüpfen bei Handwerkerinnen in den südlichen Regionen Kasachstans studiert. Parallel dazu hat sie eine kontinuierliche Videopraxis entwickelt, darunter einen Filmzyklus, der der Sammlung und Dokumentation uigurischer Migrationsgeschichten gewidmet ist.
"Ich begann, meine Vergangenheit durch eine dekoloniale Linse zu betrachten, und erkannte, dass sie auch mich berührt hatte. Lange Zeit wusste ich nicht, wer ich bin. Heute habe ich das Gefühl, eine Stimme für die uigurische Diaspora Zentralasiens sein zu können. Es ist mir wichtig zu zeigen, dass es jenseits der Titularnationen andere Völker gibt, die dieselbe Erfahrung gemacht haben."